MovieSwap – wie ein Start-up DVDs befreien will und dabei Hollywood herausfordert

Screenshot der Kickstarterseite des Projekts MovieSwap

Filmstreaming mal anders – MovieSwap

Wer hat verstaubte DVDs zu Hause rumliegen? Mal die Hand heben bitte … ich dachte es mir. Und wer schaut regelmäßig die Filme aus seiner Sammlung? Ja, das sind dann nicht mehr so viele.

Was liegt da also näher als DVDs zu tauschen. Doch das ist einfacher gesagt als getan. Dazu müsste man auf Tauschbörsen viele Gleichgesinnte treffen. Leute, die einen ähnlichen Filmgeschmack und gleichzeitig viel Tauschmaterial haben. Tatsächlich werden also nur vergleichsweise wenige DVDs getauscht.

MovieSwap – Filme tauschen einfach gemacht

Ein französisches Start-up versucht das zu ändern. MovieSwap heißt das Ganze und der Name ist Programm. Die Gründer von MovieSwap sind namentlich:

  • Cyril Barthet, aka a Serious Man
  • Julien Navas, aka Mac Gyver
  • Chris Navas, aka the Architect
  • David Honnorat, aka Fantastic Mister Fox

Die vier Filmenthusiasten sammeln gerade Geld für ihr Projekt auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter. 35.000 Euro wollten sie haben. Knapp 85.000 haben Sie 11 Tage vor dem Ende der Kampagne zusammen. Läuft.

MovieSwap – eine gigantische Filmothek

Was genau ist MovieSwap? Laut Eigenbeschreibung die erste weltweite Filmothek, um Filme ohne Einschränkungen zu tauschen und anzuschauen. Das hört sich gut an.

Laut MovieSwap gingen im 21. Jahrhundert global betrachtet mehr als 25 Milliarden DVDs über den Ladentisch. Eine ganze Menge. Und die meisten davon locken eher den Staubwedel an als den Käufer der Silberscheiben.

MovieSwap möchte die DVDs aus den verstaubten Regalen befreien. #FreeTheMovies ist der Slogan, mit dem die Franzosen auf der Suche nach Unterstützern sind. Sieht man sich die Zahl der Unterstützer und die eingesammelte Summe an, ist der Hashtag auf offene Ohren gestoßen.

Ziel ist also eine gigantische Sammlung an DVDs. Die weltgrößte Filmothek, wenn man so will. 200.000 Stück habe man schon zusammen, so die Macher. Wobei 200.000 DVDs noch keine 200.000 Filme sind, wohlgemerkt. Da sind sicher ein paar doppelte dabei. Oder aber ein und derselbe Film in unterschiedlichen Sprachversionen oder Editionen.

MovieSwap – hinter den Kulissen

So genial die Idee, so spannend ist die Technik dahinter. Denn MovieSwap soll funktionieren wie jeder andere Streaming-Dienst auch. Aber wie geht MovieSwap vor?

  1. DVDs aus aller Welt einsammeln.
  2. Im Namen des Besitzers werden die DVDs registriert …
  3. … und anschließend in die Cloud gestellt.
  4. In großen Lagerhallen werden die DVDs aufbewahrt.
  5. Der Nutzer kann die DVDs auf nahezu jedem Gerät abspielen.

Da es sich um DVDs handelt, werden die Filme auch in DVD-Qualität abgespielt – einschließlich des Bonus-Materials, das sich auf einer DVD befindet. Etwa Making-of, nicht verwendete Szenen, Interviews, Kurzfilme etc. Das ist ein großer Vorteil gegenüber etablierten Streaming-Diensten.

MovieSwap – die Technik

Die Macher von MovieSwap setzen zum Streamen auf den Media Player VLC. Auf der Kickstarter-Seite des Projekts ist ein Foto des Vorsitzenden von Videolan/VLC, Jean-Baptiste Kempf zu sehen. Daneben das Zitat:

„MovieSwap is powered by VLC, the only player to read DVDs over http and the network! Because VLC is open source, it was easy to modify it, to give the full DVD experience, including menus and bonuses, on all platforms! I backed it!“

Was die Technik angeht, so haben die vier Gründer anscheinend ihre Hausaufgaben gemacht. Sie haben auch daran gedacht, dass die meisten Leute Filme lieber am großen Fernseher gucken und seltener am Tablet oder Laptop. Die TV-Option soll ein sogenannter HDMI-SwapStick ermöglichen, der auf Android 5 basiert.

MovieSwap – die heikle Frage nach der Legalität

Während Filmenthusiasten den Start der privaten Betaphase im August wohl kaum erwarten können, macht sich Hollywood vermutlich jetzt schon Gedanken, wie man MovieSwap zu Fall bringen kann. Denn es ist klar, dass den Studios eine Menge Kohle durch die Lappen geht, wenn MovieSwap eine kritische Nutzermasse zusammenbringt.

Wie das Magazin WIRED in einem Artikel über MovieSwap berichtet, glauben sich die Gründer auf rechtlich sicherem Terrain zu bewegen. Laut Cyril Barthet, Urheberrechtsexperte und Co-Gründer, stünde das Projekt durch die „first sale doctrine“ und „fair use“ auf einer rechtlich unerschütterlichem Basis, so WIRED. Es ist nicht anzunehmen, dass die Studiobosse diese Ansicht teilen.

Ich jedenfalls habe MovieSwap auf Kickstarter mit 20 € unterstützt. Wenn ich 50 oder mehr DVDs einsende, erhalte ich den HDMI-SwapStick gratis. Teil der Option mit dem schönen Titel „The Goodfellas“ ist der Zugang zur privaten Betaphase ab August und der freie Zugang zu MovieSwap – ein Leben lang. Fragt sich nur, wie lange MovieSwap überlebt.

MovieSwap – ein Streaming-Dienst mit Zukunft?

Was haltet ihr von der Idee? Wäre MovieSwap für euch interessant? Und glaubt ihr, der Dienst wird sich in gerichtlichen Auseinandersetzungen gegen Hollywood behaupten können? Ich bin gespannt auf eure Antworten.

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